Nutzungskonzept vom 21.01.2019

Gedanken zum Erhalt der baulichen Substanz, der kirchlichen und kulturellen Nutzung der Kirchenruine Peter und Paul sowie zur Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten durch bauliche Veränderungen.

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Gliederung
  • Ausgangssituation
  • Problemstellung
  • Bauliche Ziele
  • Kulturelle Ziele
  • Kirchliche Ziele
  • Förderverein „Sonnenkirche Neunheilingen e.V.“
  • Zeitplan
  • Fazit
Ausgangssituation

Die Ruine der Kirche Peter und Paul steht erhöht im Zentrum der 480 Einwohner zählenden Gemeinde Neunheilingen. Die Verwaltung der Gemeinde erfolgt über die VG Schlotheim. Neunheilingen liegt im östlichen Unstrut-Hainich-Kreis auf den Heilinger Höhen.
Die Evangelische Kirchengemeinde Neunheilingen hat 241 Mitglieder und gehört seit 2016 organisatorisch zum Pfarrbereich Kirchheilingen im Kirchenkreis Mühlhausen. Die 1140 Kirchenmitglieder im Pfarrbereich werden aktuell von Pfarrerin Annemarie Sommer betreut.
Architektonisch handelt es sich bei der Kirche um gotischen Bau aus dem 15. Jahrhundert, der über Jahrhunderte den Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in der Gemeinde darstellte. Unterstützt durch das Kirchenpatronat der Grafen von Werthern gab es hier ein regionales, kulturelles Zentrum. Bereits zwischen den beiden Weltkriegen wurden erste Schäden am Dach der Kirche sichtbar. Diese führten in der Folge zu Wassereinbrüchen und Fäulnisschäden. Bedingt durch Mangel und Not dieser Zeit erfolgten keine ausreichenden Reparaturmaßnahmen. Erst in den 1960er Jahren wurde ein Versuch unternommen, die notwendigen finanziellen Mittel für eine umfangreiche Dachsanierung zu organisieren. Zwar konnten über eine Sammlung im Ort Gelder mobilisiert werden, jedoch nicht in der benötigten Hohe. Auch Probleme mit den zuständigen Behörden und fehlendes Baumaterial führten dazu, dass die Sanierungspläne im Sande verliefen. Die gespendeten Gelder wurden für die Heilig-Kreuz-Kirche verwendet. 1968 wurde die Peter und Paul Kirche dann wegen Baufälligkeit gesperrt. Aus Verkehrssicherungsgründen kam es 1976 zum Abriss des Kirchendaches. Zur Stabilisierung des Kirchenschiffes wurde ein eisenbewehrter Ringanker gegossen. Eine Bedeckung des Ringankers mit Ziegeln wurde damals von der Denkmalschutzbehörde nicht zugelassen. Nach der Wende wurde im Rahmen einer ABM-Maßnahme ein Opferputz auf das Mauerwerk aufgebracht. Ende der 90er Jahre wurde der Innenraum des Kirchenschiffs planiert und Rasen angesät. Sodass die Ruine seitdem für Open-Air-Gottesdienste und Veranstaltungen zur Verfügung steht und genutzt wird.
Kulturell hat Neunheilingen einiges zu bieten. Sodass über das Kalenderjahr verteilt ein reges Angebot an Veranstaltung traditioneller wie auch modernerer Art rege von der ansässigen wie auch von der umliegenden Bevölkerung angenommen wird. Die älteste wie auch größte und traditionsbewussteste Veranstaltung ist das jährliche Pfingstfest, welches durch den Gottesdienst in der Kirchenruine (witterungsabhängig) eröffnet wird. Aber auch die Tanzveranstaltung zu Ostern, das Kinderfest zu Johanni und die Kirmes gehören zu älteren Traditionsveranstaltungen. Des Weiteren haben sich in den letzten Jahren weitere Veranstaltungen fest im Ort etabliert. Den Anfang macht das Bläserkonzert unserer heimischen Musikanten zu Epiphanias, gefolgt vom Faschingswochenende mit Programmgestaltung durch den Neunheilinger Pfingst- und Traditionsverein. Zum Sprung in den Mai mit Maifeuer und musikalischer Umrahmung lädt der Kindergarten ein. In den Sommermonaten sind der Tag der offenen Tür des Kegelvereins sowie das alle zwei Jahre stattfinde Hoffest der Agrargesellschaft Neunheilingen gesetzte Veranstaltungen. Auch in der Kirchenruine haben sich mit der Kinonacht und dem Gemeindefest der Kirchengemeinde zwei Veranstaltungen etabliert. Außerdem veranstaltet der Förderverein Sonnenkirche Neunheilingen e.V. jährlich ein Benefizkonzert zugunsten des Erhalts der Kirchenruine. Sportlicher Hohepunkt ist der von der Neunheilinger Jugend organisierte „Lehmgruben-Fußball-Cup“. Im Herbst ist das vom Landwirtschaftsbetrieb Bodo Schmidt durchgeführte Dresch- und Kürbisfest ein alljährlicher Besuchermagnet. Nach der Kirmes wird nun schon seit über 10 Jahren durch das Neunheilinger Volkstheater ein Theaterstück aufgeführt. Mittlerweile sind auf Grund der großen Nachfrage schon vier Aufführungen notwendig. Zu Martini kehrt die Kirchengemeinde regelmäßig in der Kirchenruine ein. In der Adventszeit gibt es sowohl einen Nikolaus- sowie auch einen Weihnachtsmarkt. Letzterer findet in der Kirchenruine statt.

Problemstellung

Die Kirchenruine ist seit nunmehr 40 Jahren ohne Dach. Mittlerweile weist der im Zuge des Dachabrisses gegossene Ringanker immer mehr Witterungsschaden auf. Auch Mauerwerk und Fenstersimse haben massiv gelitten. Maßnahmen zum Schutz des Kirchenschiffes und zum Erhalt der Verkehrssicherheit sind mindestens mittelfristig notwendig.
Durch die Herrichtung und Inbetriebnahme der Ruine als Open-Air-Kirche konnten sich in den letzten Jahren kulturelle Traditionen als feste Höhepunkte im Neunheilinger Veranstaltungskalender etablieren. Neben dem Pfingstgottesdienst werden bei entsprechender Witterung auch Sommergottesdienste und der Martinigottesdienst dort abgehalten. Es fanden sogar schon Taufen und Hochzeiten statt. Es wäre sehr bedauerlich, wenn dies auf Grund baulicher Risiken beendet werden müsste.
Der Kirchturm mit seinem im Einsatz befindlichen Läutwerk ist nicht nur optisch sondern auch akustisch prägend für Neunheilingen. Die Statik des Turms hängt wesentlich vom Kirchenschiff ab, sollte dieses „verloren“ gehen, würde Neunheilingen ein Stück seiner Identität verlieren.
Alle Veranstaltungen die aktuell in der Kirchenruine geplant und durchgeführt werden, sind Wetter abhängig. Sodass es vorkommt, dass einige Veranstaltungen wortwörtlich ins Wasser fallen. Dies ist nicht nur ärgerlich für Gäste und Veranstalter, sondern führt auch dazu, dass sich potenzielle Nutzer trotz des einzigartigen Ambientes auf Grund des Witterungsrisikos für eine wetterfeste Alternative entscheiden.

Bauliche Ziele

Als Eigentümer der Kirchenruine ist die Kirchengemeinde Neunheilingen für die Verkehrssicherheit des Objektes verantwortlich. Diesem Ziel soll bei allen mit der Kirchenruine verbundenen Maßnahmen oberste Priorität eingeräumt werden. Kirchturm und Kirchenschiff sollen in ihrer baulichen Substanz erhalten bleiben. Bereits Anfang der 2000 er Jahre wurden umfangreiche Baumaßnahmen zum Schutz des Mauerwerks und der Mauerkrone durchgeführt. Aufgrund des vorwiegend aus Sandstein bestehenden Mauerwerks und der damit verbundenen starken Verwitterung, sind heute, nach gerade mal 15 Jahren, wieder Baumaßnahmen zum Schutz erforderlich.
Die Kirchengemeinde sowie der Förderverein sehen jedoch die Möglichkeit im Rahmen von bestandsichernden Maßnahmen Synergien zu heben um weitere Ziele zu erreichen. Hier sei als erstes genannt, die bereits bestehenden Veranstaltungen witterungsunabhängig gestalten zu können. Insbesondere im Bereich Regen- und Sonnenschutz.

Förderverein und Kirchengemeinde sehen es daher als zwingend notwendig an Kirchenschiff und Mauerwerk mit einer Überdachung zu versehen.

Je nach Umsetzung wird die jetzt vorhandene Rasenfläche im Inneren durch Pflaster o. a. ersetzt werden müssen, dabei würde es sich anbieten den Chorraum durch eine Stufe anzuheben um eine Art Bühnenpodest zu erhalten.
Die Installation einer angemessenen Innen- und Außenbeleuchtung sowie eine ausreichende Anzahl Steckdosen ist erforderlich.
In der Gemeinde Neunheilingen sind beheizbare Gebäude und sanitäre Anlagen im kirchlichen wie auch im öffentlichen Eigentum vorhanden, deshalb wird hierfür in der Ruine aktuell kein Bedarf gesehen.
Eine Sanierung der Fenster soll mit „Paten“ finanziert werden.
Die Idee eine eventuell neu zu schaffende Dachkonstruktion mit einer Photovoltaikanlage auszustatten, wird nur bei gegebener Wirtschaftlichkeit weiter verfolgt werden.
Verein und Kirchgemeinde sind gewillt bei allen möglichen Baumaßnamen entsprechende Eigenleistungen beizusteuern. Hier wäre zu nennen: Pflasterarbeiten im Innen- und Außenbereich, Schachtarbeiten, Gerüstbereitstellung, Hilfsarbeiten bei der Elektroinstallation, usw..

Kulturelle Ziele

Der Kirchengemeinde ist es wichtig, dass die bestehenden Veranstaltungen in vollem Umfang weiterhin stattfinden können.
Eine bauliche Maßnahme zum Schutz vor Regen und Sonne würde hierfür die Planungssicherheit erhöhen und die Attraktivität der Veranstaltungen erhöhen.
Durch die Sicherung der Gebäudesubstanz insbesondere der Türen und Fenster sowie des Zugangs zum Turm, wäre es möglich die Kirche ganzjährig geöffnet zulassen und begehbar zumachen. Als weiteren Anziehungspunkt gäbe es die Möglichkeit witterungsfeste/frostunempfindliche Exponate und/oder Kopien zur Ortsgeschichte aus dem ehemaligen Heimatmuseums in verschlossenen an den Wänden zu befestigenden Vitrinen auszustellen. Werblich könnten Hinweisschilder auf dem nahegelegenen Unstrut-Radweg angebracht werden.
Ob durch den Erwerb des Schlosses durch einen Investor und den geplanten Umbau als Ferienanlage ein erweiterter touristischer Bedarf entstehen kann, wird sich zeigen.
Auf Grund der Nähe zu drei Grundschulen (Kirchheilingen, Thamsbrück, Schlotheim) und des vorhandenen Linienbusverkehrs wird angestrebt, die Ausstellung so zu gestalten, dass die Kirchenruine ein Exkursionsziel für diese Altersklasse werden kann. Über bestehende Kontakte sollten hier entsprechende Kooperationen möglich sein.

Kirchliche Ziele

Als Teil des Pfarrbereichs Kirchheilingen möchte sich die Kirchengemeinde Neunheilingen auch für die Nachbargemeinden öffnen und gemeinsam den christlichen Glauben leben. Die Gottesdienste in der einzigen Ruine des Pfarrbereichs sind ein besonderes Highlight für Jung und Alt, aber, wie alle Veranstaltung bis jetzt auch, witterungsabhängig. Dies ist auch ein Grund warum bisher kaum Trauungen oder Taufen in der Ruine stattfanden, denn solche Feierlichkeiten sollten nicht ins Wasser fallen.
Auch für kirchenmusikalische Veranstaltungen bietet die Ruine eine ganz besondere Atmosphäre, die es zu erhalten gilt. Im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit sehen wir ebenfalls Möglichkeiten zur Nutzung der Kirchenruine. So gab es schon Überlegungen ein Zeltlager für z. B. Konfirmandengruppen zu veranstalten.
Die Kirchenruine mit ihrer zentralen Lage prägt im Wesentlichen das Ortsbild. Eine weitere Nutzung der Ruine für Gruppen und Gottesdienste sollte unbedingt sichergestellt werden. Wenn lebendige Gottesdienste und aktives Gemeindeleben hier stattfinden können, besitzt das eine enorme Ausstrahlungskraft nicht nur für das Dorf. Die Kirche ist und bleibt Aushängeschild, sie erzählt von Gemeindeentwicklung und der Geschichte des Dorfes, die teilweise noch aufgearbeitet werden muss. Es wird ein klares Signal gesetzt: Trotz Ruine ist den Neunheilingern lebendiger Glaube wichtig, der die Geschichte überdauert. Substanzerhaltende und erweiternde Maßnahmen sind unmittelbar Öffentlichkeitswirksam und werben für die Kirchengemeinde.
Gern ist die Kirchengemeinde Neunheilingen auch bereit in Rahmen von überregionalen Projekten oder Erprobungsräumen im Kirchenkreis Verantwortung zu übernehmen und mitzuarbeiten.

Förderverein „Sonnenkirche Neunheilingen e.V.“

Mit Blick auf die oben geschilderte Situation gab es 2013 die ersten Überlegungen engagierter Gemeindemitglieder zum künftigen Umgang mit dem Problem „Kirchenruine“. Da wie oben erwähnt das Objekt von der gesamten Gemeinde genutzt wird, reifte die Überlegung auch nicht kirchliche Mitbürger in die Bemühungen um den Erhalt der Kirchenruine mit einzubeziehen. So wurde Ende 2014 der Förderverein „Sonnenkirche Neunheilingen e.V.“ gegründet. Von den aktuell 30 Mitgliedern sind ca. 1/3 nicht in der Evangelischen Kirchengemeinde Neunheilingen.
Der Verein hat den Zweck die Kirchengemeinde bei ihren Bemühungen um den Erhalt bzw. dem Umbau der Kirchenruine zu unterstützen. Hauptsächlich erfolgt dies durch die Akquisition finanzieller Mittel. Diese werden im Wesentlichen durch Mitgliedsbeiträge, Einwerbung von Spenden und Organisation von Benefizveranstaltungen generiert. Die Kirchgemeinde ist nicht Mitglied im Verein. Der Verein hat kein Weisungsrecht gegenüber der Kirchengemeinde. Die Vereinsmittel werden der Kirchengemeinde in der Regel zweckbezogen übertragen.

Zeitplan

Da die Kirchengemeinde die Probleme frühzeitig erkannt und benannt hat, besteht kein akuter Handlungsbedarf. Es sollte daher die Zeit vorhanden sein alle Maßnahmen unter Abwägung von Kosten, Nutzen und Bedarf nachhaltig anzugehen. Entscheidender Faktor für Art und Umfang der Investitionen ist die Finanzierbarkeit. Des Weiteren ist der Kirchengemeinde bewusst, dass alle baulichen Maßnahmen in Abstimmung und mit Zustimmung des Kirchenkreises erfolgen müssen. Inwieweit Denkmalschutz oder andere Behörden involviert werden müssen, wird sich zeigen und müsste mit der Baureferentin des Kirchenkreises Anlass bezogen geklärt werden. Hier bittet die Kirchengemeinde um entsprechende Unterstützung.
An einem Gebäude wie der Kirchenruine wird es immer Investitionsbedarf geben, sodass man eigentlich „nie“ fertig werden wird. Jedoch darf man die Ziele nicht aus den Augen verlieren und sollte sich etappenweise voran arbeiten. Das Primärziel Schutz der Mauerkrone inkl. Regen- und Sonnenschutz für das Kirchenschiff sollte innerhalb der nächsten zehn Jahre umgesetzt werden.

Fazit

Die Kirchengemeinde ist sich bewusst, dass Sie mit der Ruine der Peter und Paul Kirche ein besonderes Objekt ihr Eigen nennt, welches jedoch auch eine besondere finanzielle Belastung darstellt und sie schon bei kleinen Maßnahmen vor Herausforderungen stellt. Im Bewusstsein der eigenen Finanzsituation und der mittelfristig notwendigen Investitionen sieht sich die Kirchengemeinde bereits jetzt zum Handeln veranlasst um auch künftig ein nachhaltiges und finanzierbares Gemeindeleben sicherzustellen.

Neunheilingen, den 21.01.2016

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