TA vom 26.08.2019: Prozess von 1853 nachgespielt

Zum Sommerfest wird der Prozess von 1853 nachgespielt. Neunheilinger Verein sucht neue Möglichkeiten, dem Gotteshaus ein Dach zu geben

Sabine Spitzer 26.08.2019, 02:10

Heinrich Andreas Bornberg wird zum Tode verurteilt. Als der Richterspruch fällt, sind die Schauspieler komplett durchgeschwitzt. Wegen der Hitze haben sie auf ihre Kostüme verzichtet, was die Aufführung aber nicht schmälerte.

Den Gerichtsprozess von 1853 hat am gestrigen Sonntag das Neunheilinger Volkstheater in der Ruine der Sonnenkirche gezeigt. Dieser beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Kutzleber Bornberg war damals angeklagt, weil er den 15-jährigen Johann Goswin Krackrügge kaltblütig umgebracht hatte. Der Junge war auf dem Weg von Erfurt nach Schlotheim, wo er seine Großmutter besuchen wollte. Doch dort kam er nie an. Die Tat geschah auf Neunheilinger Territorium – im Waldgebiet Sonderholz.

Bis heute befindet sich am Tatort ein Gedenkstein. Die meisten im Ort kennen daher den Fall. Raimund Schmidt, Vorsitzender des Vereins Sonnenkirche und Mitglied im Volkstheater, war durch Zufall bei Recherchen im Internet wieder auf die Ereignisse des Jahres 1853 gestoßen. Das hatte ihn neugierig gemacht. Er suchte weiter und fand schließlich ein Buch des Justizrates Pinckert, der damals den Mörder verteidigte.

Dieses Werk nahm Schmidt als Grundlage für sein Theaterstück, das nun beim Sommerfest des Sonnenkirchen-Vereins Premiere hatte. Die Feste sind Tradition. Denn sie sollen die Ruine von „St. Peter und Paul“ wieder mit Leben füllen. Vor der Aufführung des Theaterstücks gab es am Sonntag einen Gottesdienst und anschließend Kaffee und Kuchen. „Blechmusik & Paukenschlag“ sorgte für Musik.

Der Verein will dem Gotteshaus wieder ein Dach geben. Das wurde 1976 abgetragen, weil es wegen rund 50-jährigem Sanierungsstau baufällig war.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon längst begonnen haben. Laut Schmidt fand der Verein aber bisher noch keine Einigung mit der evangelischen Landeskirche, die zu hohe Kosten befürchtet. Ihr Vorschlag, eine Mauerüberdeckung zu bauen, geht den Neunheilingern nicht weit genug. „Wir denken, dass dann die Sandsteinmauern damit nicht ausreichend geschützt sind“, so Raimund Schmidt. Der Verein hat inzwischen Kontakt zu einer Kirchengemeinde in der Lausitz aufgenommen, die eine Gotteshaussanierung allein mit Spenden und Eigenleistungen geschafft hat. „Das Beispiel macht Mut“, sagte Schmidt. Neunheilingen will das nun auch versuchen.

Deshalb hat der Verein Handwerker aus der Region beauftragt, Zeichnungen und Kostenvoranschläge einzureichen. „Damit hätten wir eine Basis, die mit Zahlen belegt ist“, erklärte Schmidt. Im September wollen die Neunheilinger erneut Gespräche mit der Landeskirche suchen. „Denn die Kirche ist uns wichtig“, so Schmidt.